Landwirtschaft 1: Großbetrieb mit 3.000 Muttersauen und 75.000 Ferkeln pro Jahr – der Bauernverband findet´s gut

In der nächsten Zeit werde ich an dieser Stelle (neben Aktuellem) einiges zum Thema “Landwirtschaft” schreiben. Dieses Thema betrifft uns alle, denn dort kommen unsere Lebensmittel her und es geht um den Erhalt unserer Landschaft, unserer Natur und unserer Böden. Und darum, dass das Höfesterben in Bayern endlich aufhört, Bauern ein gutes Einkommen haben und Tiere vernünftig gehalten werden. Heute Teil 1:

Im Örtchen Tapfheim im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben will ein niederländischer Ferkelerzeuger einen Schweinezuchtbetrieb mit 3.000 Muttersauen errichten. In Bayern hatte ein Schweinezüchter im Jahr 2011 im Durchschnitt 75 Muttersauen.  Ein durchschnittlicher Schweinezüchter “produziert” demnach im Jahr ca. 1.800 Ferkel (bei im Optimalfall 25 Ferkeln pro Sau), der Niederländer dagegen ca. 75.000. Es ist vollkommen logisch, dass ein solcher Riesenbetrieb einen durchschnittlichen Schweinezüchter vom Markt verdrängt. Vollkommen logisch ist es dann auch, dass unsere Landwirtschaft immer mehr zur Agrarindustrie verkommt und bäuerliche, kleinteilige Strukturen verloren gehen. Das ist zum Nachteil der Bauern und der Landschaft wie auch der Natur.

Was machen jetzt Staatsregierung und Bauernverband in dieser Sache? Wenn man den Worten der beiden glaubt, geht es ihnen um den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft, um “Unsere Bauernfamilien”, wie der Bauernverband immer wieder wörtlich erklärt. Aber verdammt weit gefehlt: Die Staatsregierung lässt das alles zu und der Bauernverband begrüßt das sogar noch!

Aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 10.08.2013: “Der Bayerische Bauernverband sieht die Ansiedlung weniger kritisch: `Von einer Verdrängung kleinerer Betriebe kann nicht die Rede sein. Viele kleinere Betriebe hören wegen einer Gesetzesänderung ohnehin auf, weil sie die neuen Anforderungen nicht mehr erfüllen können.´Zudem werde der Großbetrieb von den vorhandenen Großmästereien begrüßt, weil ihnen Ferkel dann aus einer Hand geliefert werden…”. Soweit der Artikel.

Die Aussagen des Bauernverbandes sind natürlich falsch: Selbstverständlich verdrängt ein Großbetrieb kleinere Betriebe vom Markt. Ich habe selbst Bauern in der Familie, deren größte Sorge es ist, dass sich so ein Großbetrieb in ihrer Umgebung (also in ca. 100 km Umkreis) ansiedeln könnte. Der Satz “Viele kleinere Betriebe hören ohnehin auf…” ist aus dem Mund des Bauernverbandes zynisch: Es ist Aufgabe des Bauernverbandes, etwas gegen das Höfesterben zu unternehmen und das nicht so lapidar hinzunehmen. Er tut aber das Gegenteil und findet eine der Ursachen für das Höfesterben, nämlich die Industrialisierung unserer Landwirtschaft, auch noch gut! Untermauert wird dies noch durch den Satz, dass “Großmästereien” den “Großbetrieb” begrüßen – das sagt und findet auch der Bauernverband. Das bedeutet im Umkehrschluss: Es ist nicht gut, wenn Mästereien ihre Ferkel von kleinen und mittelständischen Betrieben bekommen. Das ist Politik des Bauernverbandes gegen kleine und mittelständische landwirtschaftliche Betriebe! Großbetriebe und Großmästereien und niederländische Großzüchter sind nicht “Unsere Bauernfamilien”! Diese vertreten also weder der Bauernverband noch die Bayerische Staatsregierung.

Was macht denn die Bayerische Staatsregierung? Die lässt das Landratsamt Donau-Ries diese Anlage genehmigen, ohne mit der Wimper zu zucken und unterstützt den Bauernverband für dessen Politik jährlich mit 1,5 Millionen Euro aus Steuergeldern.

Für eine wirkliche bäuerliche Landwirtschaft, die Böden, Natur und Landschaft schont, gute Lebensmittel herstellt und mit der der Landwirt auch noch ein gutes Einkommen hat, stehen andere. Nämlich der BUND Naturschutz und die Grünen. Lösungen gibt es – und die sind eigentlich ganz einfach. Man muss es nur wollen. Und ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen.

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