Landwirtschaft 2: Das Höfesterben

Im Jahr 1979 gab es in Bayern 274.273 landwirtschaftliche Betriebe. Im Jahr 2012 waren es noch 94.300 Betriebe mit einer Fläche von mehr als 5 ha. Das bedeutet, dass in den letzten 33 Jahren über 170.000 Höfe in Bayern aufgegeben haben. Laut Landesanstalt für Landwirtschaft wird sich bis zum Jahr 2030 die Zahl der Betriebe weiter halbiert haben. Würde sich der Trend der letzten Jahre allerdings fortsetzen, dürften im Jahr 2030 tatsächlich nur noch rund 10.000 Betriebe übrig geblieben sein.

Das steht doch irgendwie im Gegensatz zu dem, was die Bayerische Staatsregierung immer erzählt, oder? Im CSU-“Bayernplan” (Regierungsprogramm ab 2013) heißt es: “Die Zukunft gehört nicht den großen Agrarfabriken, sondern der durch bäuerliche Familienbetriebe wie in Bayern geprägten Landwirtschaft.” Wie kann es dann sein, dass gerade die “bäuerlichen Familienbetriebe” schließen müssen? Übrig bleiben ja nicht die kleinen und mittleren Betriebe, übrig bleiben Großbetriebe und Agrarfabriken (siehe Artikel “Landwirtschaft 1”) – ist ja auch logisch. Denn die Flächen der Betriebe, die schließen, werden von anderen übernommen (wenn diese Flächen nicht gerade für Autobahnen und Gewerbegebiete verloren gehen). Das erkennt man auch daran, dass die durchschnittliche Fläche pro Betrieb in Bayern derzeit alle 3 Jahre um 3 ha zunimmt. Und das, obwohl gleichzeitig landwirtschaftliche Fläche durch Bebauungen verloren geht.

Also stehen die Fakten (162.273 landwirtschaftliche Betriebe zu verlieren) im Widerspruch zu dem, was die CSU erklärt (Landwirtschaft und vor allem bäuerliche Familienbetriebe bewahren). Entweder sie wollen es nicht oder sie können es nicht.

Ein Nebeneffekt sind übrigens auch arbeitsmarktpolitische und damit soziale Probleme. Denn 162.273 Betriebe sind 162.273 potentielle Arbeitgeber – mindestens für eine, oft auch für mehr Personen. Und die sind weggefallen. Und die “Großen” brauchen mit fortschreitender Rationalisierung pro Hektar Fläche wesentlich weniger Arbeitskräfte.

Auf der Seite der CSU-Landtagsfraktion heißt es: “Mit unserer Agrarpolitik wollen wir zeitgemäß und regional angepasst handeln”. Das bedeutet aber offensichtlich etwas anderes, als uns weisgemacht werden soll. Denn unter “zeitgemäß” verstehe ich nicht diesen immensen Verdrängungswettbewerb in der Landwirtschaft.

Es gilt nach wie vor das Motto “Wachse oder weiche”. Wer nicht wachsen kann (oft bis an die Grenzen der Verschuldung), muss weichen. Nur die Größten gewinnen und bleiben übrig. Dagegen unternimmt die Staatsregierung – nichts.

 

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

1 Kommentar

  1. werner krug

    das ist von der regierung und auch von der wirtschaft so gewollt, und der bevölkerung ist es größenteils egal. die bauernhöfe in den dörfern werden immer weniger, in den aussenbereichen siedeln sich agrarfabriken an die immer größere einheiten bewirtschaften. der bauernverband spricht aber immer vom bäuerlichen familienbetrieb, vor 30 jahren 30 ha dann 50 , 100, 200 und so weiter
    ich frage mich wo soll diese entwicklung hingehen ?
    wenn man den einen wachstum predigt, muss man den anderen die betriebsaufgabe schmackhaft machen, denn ohne weichen der einen gib es kein wachsen der anderen.wo wollen wir hin ?
    was will die regierung ?
    was will die bevölkerug ?
    wen juckts ?

    Antworten