Landwirtschaft 4: Warum so wenige Landwirte auf Bio umstellen – Der Zwang zur industriellen Landwirtschaft

Jeder Landwirt bekommt in Bayern pro Hektar eine EU-Förderung von ca. 360 Euro im Jahr – unabhängig davon, ob er “konventionell” oder ökologisch arbeitet (das nennt man “Direktzahlungen”). Ein Landwirt muss von seiner Arbeit leben können, was bei den derzeitigen Lebensmittelpreisen, die nicht von den Landwirten, sondern von der Groß- und Einzelhandelsunternehmen bestimmt werden, nicht immer möglich ist. Nicht nur vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass ein Landwirt so arbeitet und produziert, wie er am meisten verdienen kann (das machen letztendlich alle so). Heute lohnt sich in Bayern nach wie vor die “konventionelle” Landwirtschaft mehr als die ökologische, obwohl man bei der ökologischen Landwirtschaft aus dem bayrischen “Kulturlandwirtschaftsprogramm” zusätzlich 200 Euro pro Hektar bekommt. Dies sei anschaulich an einem Beispiel dargestellt (Zahlen vom Bundeslandwirtschaftsministerium), wobei die Zahlen natürlich nur ungefähr stimmen, da es auf die jeweilige konkrete Art der Bewirtschaftung, den Boden etc. ankommt.:

Beispiel Raps:

Konventionell: Ein guter Preis für eine dt (Dezitonne = 100 kg) Raps beträgt 46 Euro. Pro Hektar können 65 dt geerntet werden. Das bedeutet einen Preis für den Landwirt von 2.990 Euro, den er für den Raps eines Hektars erhält.

Ökologisch: In der ökologischen Landwirtschaft beträgt der Ertrag pro Hektar ca. 70% des Ertrags der “konventionellen” Landwirtschaft. Das bedeutet also, dass ein Landwirt, der ökologisch wirtschaftet, statt 2.990 Euro nur 2.093 Euro für den Rapsertrag eines Hektars erhält. Das sind 897 Euro weniger. Dazu kommen dann noch 200 Euro Öko-Förderung, die der “konventionell” wirtschaftende Landwirt nicht bekommt, dann sind es immer noch 697 Euro weniger. Hinzu kommt mehr Arbeitseinsatz im Öko-Landbau. Es lohnt sich also nicht, wenn der Öko-Bauer nicht Abnehmer findet, die ihm einen höheren Preis für die Öko-Ware bezahlen. Die 360 Euro Direktzahlung bekommen ja beide, so dass die Differenz die gleiche bleibt.

Auch wenn der “konventionell” wirtschaftende Landwirt noch weitere Ausgaben für Dünger oder Pestizide hat, die der Öko-Landwirt nicht einsetzen darf und damit nicht zahlen muss, verdient der “konventionell” wirtschaftende Landwirt immer noch mehr als der Öko-Landwirt.

Nun gibt es die Chance seitens der EU, die Förderungen, aus denen auch das “Kulturlandwirtschaftsprogramm” bezahlt wird, so zu ändern, dass z.B. der Ökolandbau mehr Geld erhält. Die CSU hat das jedoch abgelehnt und beharrt darauf, dass vor allem die Zahlungen für jeden Hektar, also die Direktzahlungen, beibehalten werden. Das ist für die Landwirte zwar auch besser als nichts, damit werden aber vor allem diejenigen massiv unterstützt, die riesige Flächen haben und darauf z.B. Maismonokulturen anbauen. Denn je größer die Fläche, desto mehr lohnen sich diese Direktzahlungen. Wenn die “VerbraucherInnen” nicht gewillt oder aus finanziellen Gründen nicht in der Lage sind, höhere Preise für die Lebensmittel zu bezahlen und so den Ökolandbau zu fördern, sollte der Staat unterstützend eingreifen. Anstatt jedem Landwirt “einfach so” 360 Euro unabhängig von dessen Flächengrößen zu bezahlen, sollten ab einer gewissen Flächengröße die Förderungen reduziert werden (z.B. bei 350.000 Euro pro Jahr) und das dann frei werdende Geld den kleineren (siehe “Landwirtschaft 3”) und/oder ökologisch wirtschaftenden Landwirten zur Verfügung gestellt werden. Das jedoch hat die CSU verhindert bzw. setzt es nicht um. Auf diese Weise “zwingt” die CSU also unsere Landwirte dazu, nicht auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen.

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1 Kommentar

  1. huenefeld58

    Wenn die industrielle Landwirtschaft in der Zukunft mal von der Monokultur weg kommt, wenn sich folglich unser, den Planeten knechtendens ZinsGeldSystem, zu einem FreiGeldSystem gewandelt haben wird, dann wird kleinteilige Feldwirtschaft mit angepassten(teureren) Maschinen praktiziert werden können. Ich stelle mir interessante Spaziergänge über BioFeldWirtschaftsFlächen vor. Diese werden abwechslungsreich sein, zwischen genfreien Beständen (nicht patentiert) und der Einsatz von Schädlingsbekämpfung und Pestiziden wird fast gar nicht nötig sein. Sepp Holzer hat dazu ein Buch „Wüste oder Paradies“ geschrieben. Es sei jedem Menschen empfohlen.

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