Gründe für die Energiewende 1: Der Strompreis

Die Energiewende ist Wahlkampfthema. Jedoch wird bei der Energiewende immer nur von Fukushima und dem hohen Strompreis geredet. Das ist nicht mal die halbe Wahrheit. Deshalb zähle ich an dieser Stelle die tatsächlichen Gründe für die Energiewende auf. Beginnend mit dem Strompreis, der – vielleicht überraschend für manche – ein Grund für die Umsetzung der Energiewende ist.

 Derzeit wird wieder überall über die steigende EEG-Umlage und den daraus resultierenden höheren Strompreis gesprochen. Das vermittelt den Eindruck, dass die Energiewende uns VerbraucherInnen teuer zu stehen komme. Die EEG-Umlage macht heute aber gerade mal 18% des Strompreises aus. Leider werden die anderen Bestandteile des Strompreises nie besprochen. Der Strompreis setzt sich wie folgt zusammen (bundesweite Durchschnittswerte):

 Gesamtpreis pro kWh: 28,73 Cent. Das beinhaltet:

1. Beschaffung, Erzeugung, Transport, Netznutzung: 14,32 Cent (50% der Kosten),

2. EEG-Umlage 5,28 Cent (18%),

3. Stromsteuer: 2,05 Cent (7%)

4. Konzessionsabgabe (an die Energieunternehmen): 1,79 Cent (6%),

5. „§19-Umlage“ (die Befreiung stromintensiver Industriebetriebe von den Netzentgelten): 0,33 Cent (1%),

6. Offshore-Umlage (Haftung der VerbraucherInnen für Probleme beim Offshore-Ausbau): 0,25 Cent (1%),

7. KWK-Umlage: 0,13 Cent (1%) und

8. MWSt: 4,59 Cent (16%).

 Das bedeutet also, dass wir alleine 14,32 Cent (im Jahr 2003 waren das übrigens noch 10,23 Cent) an die großen Energieversorger bezahlen. Damit bezahlen wir auch die Kosten für den Einkauf fossiler Energieträger wie Kohle, Gas, Öl und Uran aus dem Ausland. Das sind im Jahr 2013 ca. 100 Milliarden Euro, die in unserem Strompreis enthalten sind, Tendenz steigend (pro Jahr derzeit ca. 10 Milliarden Euro mehr). Wenn wir auf Erneuerbare Energien umsteigen, brauchen wir nichts mehr importieren, denn Wind, Sonne, Biomasse, Wasser oder Erdwärme sind da und kosten nichts. In den 14,32 Cent ist natürlich auch der Gewinn der Unternehmen enthalten, den wir mitbezahlen. Wenn wir die Energiewende dezentral gestalten, geht das Geld nicht mehr an Unternehmen, sondern entweder an unsere Kommune oder in unseren eigenen Geldbeutel, wenn wir uns z.B. an einem Windrad beteiligen oder wir nutzen unseren eigenen kostenlosen Strom, wenn wir uns eine Photovoltaikanlage auf´s Dach bauen. Aus den 14,32 Cent werden dann ganz schnell nur noch wenige Cent. Dann fällt zudem auch die Konzessionsabgabe weg.

Wenn wir die Befreiung der stromintensiven Betriebe weglassen oder deutlich reduzieren, die Haftung für Probleme der Unternehmen beim Offshore-Ausbau nicht mehr als VerbraucherInnen bezahlen müssen und die Stromsteuer senken, wird der Strompreis weiterhin deutlich günstiger.

 Wenn wir vollkommen auf Erneuerbare Energien umgestellt haben und das möglichst dezentral, fällt also der Strompreis. Und zwar massiv. Manche von uns bezahlen dann sogar so gut wie gar nichts mehr für den Strom (das ist bei vielen heute schon so). Deshalb: Die Energiewende verbilligt langfristig den Strompreis – die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung jedoch tun alles, um das zu verhindern und schieben die Schuld für den hohen Strompreis alleine der EEG-Umlage zu, die beim jetzigen Strompreis gerade mal 18% ausmacht. Das bedeutet: 82% des Strompreises sind also andere Kosten. Und auf die könnten wir wenigstens zu einem guten Teil verzichten. Wenn wir die Energiewende schnellstmöglich umsetzen.

Und noch etwas: Wer sich heute beschwert, dass die Energiewende über die EEG-Umlage gefördert wird, sollte sich mal ansehen, wie die Stromproduktion aus fossilen Energieträgern in den letzten 43 Jahren gefördert wurde: Nämlich aus Steuergeldern – da hat man es auf der Stromrechnung halt nicht gesehen.

So hoch waren seit 1970 die Förderungen für die Stromproduktion aus Steuergeldern:

Kohle (Steinkohle und Braunkohle): 240 Milliarden Euro

Atomkraft: 190 Milliarden Euro

Erdgas: 1 Milliarde Euro.

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