Gründe für die Energiewende 6: Atomkraft

Als Grund für die Energiewende wird regelmäßig nur das Reaktorunglück von Fukushima genannt. Das ist eigentlich überraschend, denn es kann doch für keinen Politiker und für keine Bundeskanzlerin (noch dazu, wenn sie Physikerin ist) überraschend sein, dass ein solcher Super-GAU (GAU bedeutet Größter Anzunehmender Unfall) passieren kann. Auch wenn man davon ausgeht, dass der Unfall von Fukushima dem Erdbeben und dem Tsunami geschuldet war und es beides vermutlich bei uns nicht gibt, ist es doch erschreckend, dass Japan das Problem nach wie vor nicht in den Griff bekommt. Von den Betreibern nicht zu erklärende Pannen wie der Austritt von tausenden Tonnen radioaktiv verseuchtem Wasser ins Grundwasser, radioaktive Dampfwolken und anderes lässt befürchten, dass im Falle eines Unglücks auch bei uns ähnliches geschehen würde.

Es gibt – bezogen auf alle Atomkraftwerke auf der Welt – verschiedene Prognosen, in welchen Abständen Atomkraftkatastrophen passieren können. Das reicht von der Wahrscheinlichkeit von 1% in 25 Jahren bis zu einer Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe spätestens alle 23 Jahre. Egal, wer Recht hat: Alle sind sich klar darüber, dass Atomkraftwerke nicht zu einhundert Prozent sicher sein können und Reaktorunglücke passieren. Die Folgen eines Super-Gau kann man gerade sehr gut am Beispiel Fukushima sehen. Wer weiß, wie viele Menschen der Region Fukushima und darüber hinaus an Krebs sterben werden? Wer würde heute schon japanischen Fisch aus dieser Region essen? Man stelle sich vor, so etwas passiert in Grafenrheinfeld oder Gundremmingen in Bayern. Ganze Landstriche werden unbewohnbar, denn hier weht der Wind die radioaktive Wolke nicht wie in Japan aufs offene Meer hinaus. Das Super-Gau-Risiko ist der wichtigste Grund für den Ausstieg. Aber dazu hätte es eigentlich keines praktischen Beispiels bedurft.

Ein weiterer mindestens ebenso wichtiger Grund ist der Atommüll. Dieser wird nach wie vor in immensen Mengen produziert – und keiner weiß wohin damit. Er muss 1 Million Jahre sicher gelagert werden. 1 Million Jahre! Wer weiß heute, ob das Material, aus dem der Atommüllbehälter besteht, 1 Million Jahre hält? Wer weiß, ob der Boden, in dem der Atommüll vielleicht irgendwann vergraben wird, sich in 1 Million Jahren nicht verändert, bewegt oder durch Erdbeben durcheinander gewirbelt wird? Und man kann in Asse sehen, mit welcher Sorgfalt Atommüll bei uns gelagert wird. Man kippt rostende Tonnen mit Atommüll in einen Stollen, in den Wasser eindringt. Das soll 1 Million jahre gut gehen? Es ist also sicher, dass eins nicht sicher ist: Eine sichere Lagerung von Atommüll. Mit diesem Müll, den bisher 2 Generationen angehäuft haben, werden 40.000 Generationen zu tun haben (1 Generation = ca. 25 Jahre). Das ist unser Erbe an die Menschheit. Auch wenn es heute ein so genanntes „Standortauswahlgesetz“ (Endlagersuchgesetz) gibt und die Politik das unisono bejubelt hat und sich freut, dass laut diesem Gesetz in den nächsten 25 Jahren ein Endlager gefunden werden soll, wird irgendein Endlager niemals sicher.

Die immensen Ausgaben von Steuergeldern sind ein weiterer Grund für den Atomausstieg. Seit 1970 wurden 190 Milliarden Euro für die Förderung der Atomkraft ausgegeben.

Wir haben in Deutschland heute bereits regelmäßig einen massiven Stromüberschuss, der billig ans Ausland verkauft werden muss. Der Stromexport war 2012 so hoch wie nie und steigt 2013 weiter an. Auch Frankreich ist auf unseren Strom angewiesen – denn die beziehen ihren Strom zu 85% aus der Atomkraft (Deutschland nur noch zu 16%). Frankreich muss jedoch im Sommer die Atomkraftwerke herunterfahren, denn die Flüsse, aus denen die Reaktoren ihr Kühlwasser entnehmen, werden auch durch den Klimawandel für die Kühlung zu warm. Und dann produzieren ihre Atomkraftwerke weniger Strom und sie kaufen unseren. Weil sie auf die Atomkraft gesetzt haben.

Für Windkraft, Sonnenenergie, Wasser oder Geothermie braucht man kein kühles Wasser – und keine Endlager oder Evakuierungsszenarien bei einem Unfall. Deshalb: Energiewende für alle bezahlbar voranbringen und nicht wie Herr Seehofer es will, die Atomproduktion (Gundremmingen) hochfahren!

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