05.04.2020 Corona: Warum aus meiner Sicht Antikörpertests jetzt so wichtig sind

Derzeit laufen die ersten Antikörpertestungen an. Mit diesen Tests kann festgestellt werden, ob eine Person bereits Antikörper gegen das Corona-Virus entwickelt hat. Das bedeutet, dass diese Person bereits mit Corona infiziert war – vielleicht, ohne es zu merken.

Und das können die wichtigen Erkenntnisse aus den Antikörpertests sein (im Folgenden wird gemäß der sich in der Berichterstattung etablierenden Begriffe unterschieden zwischen „Corona-Test“ und „Antikörpertest“: Corona-Tests sind die Tests auf eine aktuelle Infektion mit Corona, Antikörpertests sind die Tests auf bereits gebildete Antikörper nach überstandener Corona-Infektion. Unter „Corona“ ist das Virus SARS-CoV-2, das die Krankheit Covid-19 auslöst, zu verstehen):

1. Deutlich genauere Datenbasis:

Bei den (für die Therapie zwingend notwendigen) Corona-Tests wird ausschließlich festgestellt, ob eine Person aktuell mit Corona infiziert ist oder nicht. Es lässt sich bei einem negativen Test nicht feststellen, ob diese Person schon mit Corona infiziert war oder nicht. Es handelt sich also nur um eine Momentaufnahme, die ausschließlich feststellt, ob jemand gerade Corona hat oder nicht. Mehr Erkenntnisse gibt es nicht. Aktuell sind über 90% der Corona-Tests negativ. Wie viele dieser negativ getesteten Personen aber Corona bereits hatten, lässt sich nicht feststellen. Die genannten Fallzahlen zeigen also lediglich alle bisher positiv getesteten Fälle auf. Sie beinhalten aber auch die Todesfälle sowie die wieder genesenen Personen (letzteres sind in Deutschland aktuell  – laut RKI-Situationsbericht am 08.04.2020 –  knapp 45 Prozent der genannten Gesamt-Fallzahl). In den Medien wird dies leider immer wieder falsch dargestellt. Oft wird die Zahl aller positiven Tests verwendet (z.B. 100.000) und dann steht in den Schlagzeilen: „100.000 Infizierte in Deutschland“. Das ist unrichtig, da dort die Verstorbenen und Genesenen mitgezählt werden. Richtig wäre z.B. „100.000 positive Tests seit Beginn der Tests, davon 30.000 wieder genesen, 2.000 verstorben, also aktuell 68.000 Infizierte.“ Die Fallzahlen können auch nur eine sehr, sehr ungenaue Trendgröße darstellen, denn getestet werden aktuell vor allem Personen, die Symptome zeigen – also bei weitem nicht alle, die infiziert sind. Wenn laut RKI davon auszugehen ist, dass 80% der infizierten Menschen nur leichte oder sogar gar keine Symptome zeigen, ist die Dunkelziffer enorm. In seriösen Medien ist gemäß Zitaten von Wissenschaftlern von Dunkelziffern „vom zwei- bis zwanzigfachen der offiziell gemeldeten Fälle“ oder sogar „von einem bis zehn Prozent der Bevölkerung“ (dpa am 02.02.2020, ein Prozent der Bevölkerung sind ca. 800.000 Menschen, zehn Prozent 8 Millionen) die Rede.

Bei einem positiven Antikörpertest bekommen wir für die Datenbasis genauere Erkenntnisse: Es lässt sich feststellen, wer schon mit Corona infiziert war (vielleicht ohne es zu merken) und nach aktuellem Stand der Wissenschaft jetzt zumindest für eine gewisse Zeit immun ist. Hat eine Person keine Antikörper, sind die Erkenntnisse auch besser wie bei einem negativen Corona-Test: Wir wissen sicher, dass diese Person noch kein Corona hatte. Die Datenbasis ist also eine deutlich genauere: Wir können, auch wenn nur 10.000 oder 100.000 Antikörpertests bei zufällig ausgewählten Personen durchgeführt werden, ziemlich genau hochrechnen, wie viele Menschen Corona bereits hinter sich haben und wie weit die so genannte Herdenimmunität schon fortgeschritten ist. Mit diesen Erkenntnissen kann die Politik auf deutlich besserer Datenbasis Entscheidungen über die weitere Strategie zur Eindämmung des Virus und dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung treffen. Vermutlich wird es in absehbarer Zeit auch flächendeckende Antikörpertests geben – dann wäre die Datenbasis perfekt.

 

2. Personen in systemrelevanten Berufen

Ärzte, Pfleger*innen bis zu Kassierer*innen können, wenn bei ihnen Antikörper festgestellt werden, ganz anders eingesetzt werden. Bei den Corona-Tests müssten sie eigentlich täglich getestet werden, ob sie infiziert sind – es kann aber eben nicht festgestellt werden, ob sie bereits infiziert waren. Bei einem positiven Antikörpertest können diese Menschen gefahrloser für die eigene Person ihrer so wichtigen Arbeit nachgehen, da sie über Immunität verfügen. Bei einem negativen Antikörpertest gilt natürlich das gleiche wie bei einem negativen Corona-Test: Hohe Schutzmaßnahmen auch für die eigene Person.

 

3. Die gesamte Bevölkerung

Auch Personen, die nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten, könnten dann ohne passive Schutzmaßnahmen wieder ihrer Arbeit nachgehen. Es würde zudem viele Ängste nehmen, wenn Menschen bereits Antikörper in sich tragen, davon aber nichts wissen und deshalb Sorge vor einer Infektion haben.

 

Wir brauchen aber auch die Corona-Tests weiterhin zwingend: Nur wenn bekannt ist, ob jemand mit Symptomen tatsächlich an Corona erkrankt ist, kann richtig therapiert werden.

Beide Tests sind also wichtig. Es muss sichergestellt sein, dass durch Antikörpertests keine Laborkapazitäten beansprucht werden, die für Corona-Tests notwendig sind. Der aktuellen Entwicklung nach wird das aber auch nicht passieren, da für die Antikörpertests in Kürze keine Laborkapazitäten mehr notwendig sind. Sie können bald als Schnelltests quasi vor Ort durchgeführt werden.

 

Nochmal zum Unterschied Corona-Test/Antikörpertest:

– Corona-Test: Wird nur bei Corona-Symptomen durchgeführt (wegen Laborkapazitäten)
– Antikörper-Test: Kann wegen Einfachheit des Tests (wohl in Kürze kein Labor mehr nötig) bei einer sehr großen Zahl von Menschen oder sogar bei allen Menschen duchgeführt werden, unabhängig davon, ob Symptome vorhanden sind/waren oder nicht, d.h. wir bekommen eine große und fundierte Datenbasis

– Corona-Test positiv: Hat Corona, wird vermutlich immun
– Antikörper-Test positiv: Hatte Corona, ist vermutlich immun
– Corona-Test negativ: unbekannt, ob Person schon Corona hatte
– Antikörper-Test negativ: Hatte noch kein Corona

(wird laufend aktualisiert, erster Text am 05.04.)

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